12. November 2013 (3)

NGG legt Gastronomie-Studie vor

NGG schlägt „Gastro-Alarm“: Stress-Jobs zum Billiglohn mit miesen Arbeitsbedingungen"

 

Berlin, 12. November 2013

 

Alarmierende Zahlen aus dem Gastgewerbe: Mehr als 159.550 Beschäftigte in Hotels, Restaurants und Gaststätten können von dem Geld, das sie im Job verdienen, nicht leben. Sie müssen aufstocken. Rund 69.750 dieser Gastro-Beschäftigten haben sogar einen regulären Arbeitsvertrag in der Tasche – sie sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die übrigen rund 89.800 sind als Mini-Jobber auf Hartz IV angewiesen.

 

Für die designierte Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, sind diese Zahlen ein „Branchen-Skandal“. Dreiviertel aller Beschäftigten der Gastronomie bekämen lediglich einen Niedriglohn. Rosenberger beruft sich dabei auf eine Branchen-Studie, die die Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der NGG gemacht hat. Diese wurde am Dienstag auf dem NGG-Gewerkschaftstag in Berlin vorgestellt. „Wer im Service, in der Küche oder im Catering arbeitet, der macht einen Stress-Job. Zur guten Arbeit gehört aber auch ein gutes Auskommen“, so Michaela Rosenberger. Es könne nicht sein, dass „Menschen Vollzeit arbeiten und trotzdem anschließend noch einen Antrag auf Hartz IV stellen müssen“.

 

Michaela Rosenberger spricht vom Gastgewerbe als „Jobmotor für prekäre Beschäftigung“: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs lag, so die designierte NGG-Vorsitzende, im vergangenen Jahr um ein Viertel höher als noch 2008. Dagegen habe es bei den Vollzeitbeschäftigten lediglich eine Zunahme von knapp 3 Prozent gegeben. Der „Gastro-Report“ weist zudem einen kräftigen Zuwachs bei den Mini-Jobs nach: Ihre Zahl stieg um 12,5 Prozent. Betroffen hiervon: vorwiegend Frauen.

 

Die Gastronomie-Branche sei ein „Rund-um-die-Uhr-Gewerbe“, so Rosenberger. Mehr als jeder sechste Beschäftigte im Gastgewerbe sei von Nachtarbeit betroffen. Rund ein Viertel leiste mehr als zehn Überstunden pro Woche. „Viele von ihnen kommen dabei oft auf eine 50-Stunden-Woche und mehr“, so die designierte NGG-Vorsitzende. Von regulären Arbeitszeiten könne die Branche ohnehin nur träumen: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten, sind außerhalb der üblichen Arbeitszeiten im Einsatz. Auch das geht aus dem „Gastro-Report“ der der NGG hervor.

 

Angesichts dieser Fakten appelliert Michaela Rosenberger an die Arbeitgeber in Hotels, Restaurants, Gaststätten und in der Systemgastronomie, die Arbeitsbedingungen spürbar zu verbessern: „Es reicht nicht, Imagekampagnen zu machen. Die Branche braucht Nachwuchs. Aber den überzeugt man mit fairen Ausbildungs- und guten Arbeitsbedingungen, nicht mit Augenwischerei“, sagt Rosenberger – gerichtet an die Adresse des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und des Bundesverbandes der Systemgastronomie (BdS).

In den vergangenen 10 Jahren habe es, so die NGG, einen Rückgang von 35 Prozent bei den Auszubildenden im Gastgewerbe gegeben. „Diese Entwicklung ist alarmierend. Hier müssen die Arbeitgeber dringend wach werden“, so Rosenberger. Die Branchen-Studie nennt Gründe für das schwindende Interesse an einer Ausbildung im Gastgewerbe: So arbeiten mehr als 60 Prozent aller Azubis im Schnitt mehr als 40 Stunden pro Woche. 63 Prozent müssen Überstunden machen. Rund die Hälfte von ihnen bekommt hierfür keinen Ausgleich – weder durch Freizeit, noch durch Bezahlung. Insgesamt sind Dreiviertel aller Azubis nach der Arbeit so erschöpft, dass ihnen nicht einmal die Freizeit zur Erholung reicht.

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